Ich hab mich in der letzten Zeit intensiv mit einigen Fragen auseinandergesetzt:
- Warum wirken so viele Menschen ständig müde und genervt?
- Ist das nur ein deutsches Ding?
- Was fehlt denen im Leben?
- Warum beschweren die sich ständig?
Es steckt ja schon im Wort: Be-schweren. In dem Moment, wo ich anderen mein Leid klage, mache ich mir selbst das Leben schwer. Ich packe mir selbst eine Last auf den Rücken, indem ich meinen Fokus auf das Negative richte.
Und dann ist mir etwas aufgefallen. Die Menschen, die ich als charismatisch und lebendig empfinde, meckern nicht. Sie nehmen die Fehlschläge hin und machen einfach weiter.
Das heißt nicht, dass sie sich alles gefallen lassen, aber sie verschwenden ihre Energie nicht an Dinge, die sie nicht kontrollieren können.
Neben der meist antrainierten, positiven Lebenseinstellung ist auch Neugier ein starker Faktor.
Warum wirken so viele Menschen ständig müde und genervt?
Das ist für mich das größte Problem in meinem Umfeld – und ich denke, der Grund dafür ist, dass vielen Menschen die kindliche Naivität irgendwann in den frühen bis späten Zwanzigern abhanden gekommen ist. Lass uns doch mal realistisch bleiben!
Deshalb vergeht auch für die meisten Menschen mit den Jahren die Zeit immer schneller. Man gewöhnt sich an seinen Alltag, macht ständig das gleiche und irgendwie passiert nichts Neues mehr. Wer sich aber ständig in neue Abenteuer stürzt, bleibt im Herzen jung und hat gar keine Zeit für schlechte Laune.
Ich erinnere mich gerne an einen alten Australier, den ich 2018 auf einem Campingplatz in Mission Beach, Queensland getroffen habe. 70 Jahre und nur mit dem Zelt unterwegs. I can’t stop travelling!, sagte er, während er mir abenteuerliche Geschichten über wilde Inseln im Pazifik erzählte – weit entfernt von den Touristenmassen. Seine lederne Haut war gezeichnet von den vielen Sonnenstunden, aber in seinen hellblauen Augen funkelte die gleiche Neugier, wie die eines Menschen, der noch nicht aufgehört hat zu entdecken.
Ist das nur ein deutsches Ding?
Eine Schwedin, die ich auf einer Insel im Golf von Thailand kennengelernt habe, erzählte mir, dass die Rate von Freitod in Skandinavien am höchsten auf der ganzen Welt sei. Niemand spricht darüber. Ständig liest man nur, dass die Menschen im hohen Norden am glücklichsten seien.
Glück – Was ist das? Und wer bestimmt das?
Immerhin hat jeder fünfte Schwede sein eigenes Boot. #WoIstMeineEinkaufsliste? Haken dran.
Ein wesentlicher Faktor ist Vitamin D – aber nicht in Pillenform. Man merkt das ja ganz schnell, wenn man in fremden Ländern ist, wo ständig die Sonne scheint, die Menschen aber praktisch viel weniger haben als in Deutschland. Das Leben spielt sich draußen ab. Keine Krawatte. Kein Office. #LifeIsBetterInFlipFlops
Was fehlt denen im Leben?
Neues!
Wenn die spannendste Frage des Tages ist: Schatz, was essen wir heute?, dann läuft irgendetwas gewaltig schief im Leben.
Neugier aktiviert das Belohnungssystem. Lernen fühlt sich gut an. Und wer Neues entdeckt, erlebt Fortschritt. Und das macht glücklich. Das ist natürliches Dopamin – viel befriedigender als jeden Abend an der Pfeife zu ziehen. Aber Achtung: Auch das kann süchtig machen.
Denk an den Australier: I CAN’T stop travelling! 😉
Warum beschweren die sich ständig?
Be-schweren stärkt auch irgendwie das Gruppengefühl, oder?
Ist dir schonmal aufgefallen, dass Gespräche viel lebendiger werden, wenn Menschen derselben Meinung sind?
Der neue Kanzler ist nix!
Ja man, mir gefällt der auch nicht!
Und die Grünen!
Früher war alles besser!
In den 80ern, da war die Welt noch in Ordnung!
Mimimi
Und schon hat sich eine neue Einheit gebildet. Setzt auf eure Aluhüte. Wir tragen jetzt silberne Sombreros! Da schmeckt das Bier noch besser. Und nach dem fünften weiß schon keiner mehr, was die Hobbys vom Nachbarn sind – aber der Kanzler. Der ist ein ganz schlimmer. #JenseitsVonGutUndBöse
Darauf ein Tequila!
Wenn man diese gewaltige Energie in was sinnvolles investieren würde, müsste man wahrscheinlich nicht mehr sehnsüchtig auf den Lottogewinn warten.
Wir brauchen mehr Abwechslung!
Nimm doch mal die Bahn, statt schon wieder das Auto – oder geh halt einfach zu Fuß. Sei mutig, und bestell mal beim Chinesen, statt schon wieder bei Luigi. Flieg mal nach Asien, statt schon wieder nach Mallorca. Nimm doch mal den Rucksack, statt dem dicken Trolli.
Zeit ist relativ – das hat Einstein bewiesen, und sie wird subjektiv erlebt. Wer sich schnell bewegt, für den vergeht die Zeit langsamer. Deshalb vergeht die erste Woche im Urlaub auch immer ultralangsam. Ständig neue Reize, die verarbeitet werden müssen. Hat man sich aber einmal dran gewöhnt, vergehen die Stunden wie im Flug.
Deshalb: Altes kennst Du schon, und den Weg zurück findest Du immer wieder. Aber das Neue ist unbekannt. Und Neugier ist die Voraussetzung für Entwicklung. Wer sie verliert, wird älter – wer sie kultiviert, bleibt lebendig. Und wer weiß: Vielleicht ist es ja schön da, wo Du ankommst.!?


