8:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Du reißt die Augen auf und streifst die Decke von deinem Körper. Voller Elan richtest du dich auf und schlüpfst in deine Latschen, die wohlgeparkt vor der Kante deines Bettes stehen. Erst mit dem rechten, dann mit dem linken Fuß. Das Sonnenlicht flutet den Raum schon durch die kleinen Löcher, die entstehen, wenn sich die Rolladen minimal öffnen. Ein Sprung unter die kalte Dusche und eine Tasse Kaffee auf dem Balkon. Vogelgezwitscher. Herrlich.
So geht es mir immer, wenn ich frisch aus dem Urlaub komme. Irgendwie geht alles leichter. Müdigkeit? Fehlanzeige. Umso größer ist der Kontrast zu den letzten Tagen und Wochen, bevor es in den Urlaub geht. Wenn der Wecker klingelt und ich die Augen kaum öffnen kann. Die Schlummertaste? Mein bester Freund. Geschafft von den ganzen Wochen harter Arbeit. Schwarze Augenringe schmücken mein Gesicht, als hätte ich einen Kajalstift benutzt.
Schlafen kann ich, wenn ich tot bin
Das oben beschriebene Szenario ist für mich immer ein Zeichen, dass ernst genommen werden muss. Erholung. JETZT. Alles andere? Egal!
Ich kenne aber auch Leute, die einfach weiter gemacht haben – frei nach dem Motto: „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“ Leider sind viele Leute, die diese Warnzeichen geflissentlich ignoriert haben, heute fett, krank oder tot. Neben Zucker ist Stress der größte Feind des Menschen.
Das Gefühl von Energie nach dem Urlaub ist kein Beweis für Disziplin oder Motivation – es ist einfach das Ergebnis von Erholung. Der Körper hat Zeit bekommen, sich zu regulieren und das Nervensystem herunterzufahren. Genau wie der Körper nach einem Marathon Zeit zum Regenerieren braucht, braucht er diese auch nach anspruchsvollen Lebensphasen.
Wachstum entsteht in Ruhephasen
Sport lehrt uns eine Menge über das Leben. Wer einen guten Körper will, muss dranbleiben. Du kannst einen Tag schleifen lassen – oder zwei. Am dritten Tag musst du aber wieder was tun. Du musst keine Rekorde brechen. 30 Minuten reichen schon. Regelmaß ist der Schlüssel.
Hartes Krafttraining lässt die Muskeln nicht wachsen – es zerstört sie. Wer seinen Körper im Training hart beansprucht, verursacht damit Mikroverletzungen in der Muskulatur. Diese Mikrorisse in den Muskelfasern repariert der Körper nur in ausreichenden Ruhephasen. Der Körper wird belastbarer, die Muskulatur stärker und größer. Das zentrale Nervensystem wächst mit. Das ist Progression auf allen Ebenen.
Genauso funktioniert das Leben. Auf Hochleistungsphasen folgen Ruhephasen, um anschließend wieder leistungsfähig zu sein – und ein bisschen belastbarer als vorher. Ohne Pausen arbeitet der Körper im Notfallmodus. Wer die frühen Warnzeichen in Form von überhöhter Müdigkeit, sinkender Leistungsfähigkeit und erhöhtem Cortisol zu lange ignoriert, bezahlt das irgendwann mit seiner Gesundheit. Burnout, Schlafprobleme und chronische Gereiztheit sind da noch die harmlosen Dinge.
Man darf das Leben auch genießen
Pausen sind kein Rückschritt, sondern Teil des Weges. Wer Pausen gezielt einsetzt, gewinnt nicht nur an Leistungsfähigkeit, sondern auch an Lebensqualität.
Autos, Haus und Boot … am Ende ist das doch alles egal. Glück besteht aus Momenten, und davon gilt es so viele zu sammeln wie möglich. An den ganzen anderen Scheiß erinnert sich sowieso keiner.
Ich mach jetzt Urlaub. Wir sehen uns hier in drei Wochen wieder. Und wenn das Leben mal wieder zu schnell wird, dann mach einfach mal ’ne Pause. Dein Körper wird es dir danken – und dein Geist auch. 😉


