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Once in a lifetime – wie ein Satz das Denken unserer Kinder formt

Früh morgens, am Tag kurz vor meiner ersten Soloreise nach Thailand, war ich noch im Gym und habe einer Trainerin dort von meinen Reiseplänen erzählt:

„Um 21 Uhr geht der Flieger nach Bangkok! Dort bleibe ich dann zwei Tage und danach geht es für sechs Wochen runter auf die Inseln! Ich bin gerade zwischen zwei Jobs und habe mir extra einen Monat zusätzlich freigenommen, um ein bisschen zu reisen!“
„Wow, cool! Aber was ist mit deinem Marathon im April?“, fragte sie.
„Den lauf ich trotzdem! Ich kann ja auch in Thailand trainieren.“
„Ja … genieß mal lieber deinen Urlaub. Das ist once in a lifetime!“

Diese Worte trafen mich wie ein LKW, der mit 300 durch die Kurve schießt.
Once in a lifetime? Was?
Ich mache das doch nicht nur ein Mal im Leben!

Die Vorstellung, dass das jetzt meine letzte große Reise für den Rest meines Lebens sein könnte, traf mich mit voller Wucht.
Was ist, wenn sie recht hat?
Nach dem Urlaub jeden Tag ins Büro fahren bis ich alt und grau bin.
Zwei Wochen auf Malle: Alles, was ich noch kriegen kann.

Diese Worte waren der Anfang von einem Lebensweg, den ich damals noch nicht absehen konnte.

Glaubenssätze formen Lebenswege

Once in a lifetime – das ist ein limitierender Glaubenssatz.
Er sagt: Mehr gibt es nicht. Sei froh. Das war’s.

Kinder hören ständig solche Sätze:

  • So ist das eben.
  • Man kann nicht alles haben.
  • Sei zufrieden mit dem, was du hast.
  • Das schaffen nur die wenigsten.

Das Problem bei solchen Aussagen ist: Kinder hinterfragen sowas selten. Sie speichern es im Unterbewusstsein ab und übernehmen es einfach – und dann begleitet sie diese „Wahrheit“ ein Leben lang.

Die Gegensätze in der Erziehung

Vor circa zehn Jahren kehrte ein Freund von mir von seinem Auslandsjahr in Australien zurück nach Deutschland und sagte mir, dass er schon bald wieder los möchte – noch ein Jahr im Paradies.
Meine Antwort darauf war lediglich: Aber irgendwann musst du doch mal wieder zurück ins echte Leben!?

Was ist denn das echte Leben?
Warum ist das Leben in Australien weniger echt als in Deutschland?
Warum definieren wir Sicherheit als echt und warum bewerten wir Risiko als unvernünftig?
Welche unbewussten Ängste stecken dahinter?

Auf der einen Seite erzählen wir unseren Kindern, sie können alles schaffen, wenn sie groß sind – und auf der anderen Seite pflanzen wir ihnen unbewusst diese kleinhaltenden Glaubenssätze ins Gehirn und wundern uns hinterher, warum unsere Kinder genau den gleichen Lebensweg gehen, wie wir es getan haben.

Es gibt nur eine Möglichkeit

Wenn wir wirklich wollen, dass unsere Kinder einen anderen Lebensweg einschlagen als wir, müssen wir unsere Glaubenssätze anpassen und unsere Einstellung zum Leben ändern.

Das knüpft ein bisschen an diesen Artikel vom 16. Dezember an: Unsere Kinder machen nicht das, was man ihnen sagt – sie machen das, was man ihnen vorlebt. Im Umkehrschluss bedeutet es:
Entweder unsere Kinder werden wie wir, oder sie trennen sich irgendwann von uns, um ihren eigenen Weg zu gehen. In jedem Fall müssen wir loslassen.

Schlussgedanke

Vielleicht ist once-in-a-lifetime kein Satz übers Reisen, sondern ein Glaubenssatz, den man auf alle Lebensbereiche übertragen kann.

Glaubenssätze sind wie Samen. Was wir früh säen, wächst mit der Zeit zu tiefen Wurzeln, und es wird immer schwieriger, sie anzupassen. Deswegen sollten wir sie regelmäßig überdenken, sonst werden aus gefestigten Glaubenssätzen unsichtbare Grenzen, die wir unbewusst auf unser Umfeld und in erster Linie auf unsere Kinder übertragen.

Die Frage ist also nicht, ob unsere Kinder groß werden, sondern in welche Richtung sie sich entwickeln. Unsere Kinder schauen uns jeden Tag an und orientieren sich daran, wer wir sind. Und vielleicht wird aus einem „once-in-a-lifetime“ irgendwann ein „Mehr geht nicht“

Oder – wenn wir es anders vorleben – ein selbstbewusstes „Ich probiere es noch einmal!“.

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