Wann haben Sie das letzte Mal ein Lob ausgesprochen?
Und wie hat Ihr Gegenüber darauf reagiert?
Vielleicht ist es so lange her, dass Sie sich gar nicht mehr daran erinnern.
Vielleicht erinnern Sie sich aber daran, wann Sie das letzte Mal eins erhalten haben?
Wofür war es?
Wie haben Sie sich gefühlt?
Und was ist danach passiert?
Schenken Sie Lob
Ich erinnere mich noch an die Zeit in meiner Ausbildungsstelle, und wie glücklich ich war, als ich endlich meine Prüfung bestanden hatte und gehen konnte. Das hatte eigentlich nur einen Grund – das Arbeitsklima.
Unser Chef war kein schlechter Typ – er war einfach nur grottenschlecht in Sachen Menschenführung. Vielleicht hat es ihm auch nie einer beigebracht, aber wer so eine Geschäftsstelle führt, darf sich nicht wundern, wenn nach drei Jahren Amtszeit von insgesamt 25 Leuten nur noch fünf da sind.
Es war alles da: Gemeinsames Frühstück am Samstag, nette Kollegen, erfolgreiche Verkäufer. Nur eins fehlte: echte Anerkennung.
Statt einem: „Super, dass Sie den Kunden an Land gezogen haben!“ gab es nur ein „Schauen Sie mal hier, das ist falsch!“
Das Problem von fehlendem Lob
Ich habe das schon in meinem letzten Artikel gesagt: Vielleicht liegt es an der allgemeinen Mentalität aufgrund von zu viel Medienkonsum, aber die meisten Menschen sehen immer zuerst die Fehler, und die guten Seiten werden leider viel zu oft übersehen – oder einfach als selbstverständlich abgetan.
Das Problem aber ist, wenn man ständig nur auf den Menschen herumhackt, dann geben Sie sich irgendwann keine Mühe mehr. „Ist sowieso egal, was ich mache. Ist ja eh falsch.“
Das führt zu einer schlechten Arbeitsleistung, sinkender Motivation und innerer Kündigung. Und ich rede an dieser Stelle nicht nur von Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das gleiche gilt nämlich auch für Freundschaften und partnerschaftliche Beziehungen – und selbstverständlich auch für die Erziehung Ihrer Kinder.
Die unterschätzten Auswirkungen von Anerkennung
Wussten Sie, dass Mitarbeiter viel zufriedener sind, wenn Sie regelmäßig ein Lob erhalten?
Und wussten Sie, dass Mitarbeiter sogar seltener um eine Gehaltserhöhung bitten, wenn Sie zufrieden sind?
Echte Anerkennung gibt dem Menschen etwas, das weit über einen netten Satz hinausgeht. Es gibt ihm das Gefühl, gesehen zu werden. Und dieses Gefühl ist mehr wert, als viele glauben. Sogar mehr als Geld. Es ist eine Kette von positiven Auswirkungen, die Sie mit einem einfachen Lob in Bewegung setzen können.
Lob macht zufriedene Mitarbeiter.
Zufriedene Mitarbeiter liefern gute Arbeit.
Gute Arbeit bringt gute Ergebnisse.
Und auf gute Ergebnisse folgen zufriedene Kunden.
Alles steht und fällt mit einem echten Lob.
Sogar ein schlechtes Lob ist besser als gar kein Lob
Es müssen nicht immer große Reden sein – ein einfaches „Gut gemacht!“ reicht oft schon.
Natürlich nicht immer und zu allem – dann verliert es seinen Wert – aber hier und da mal ein netter Satz und Ihre Mitmenschen fühlen sich in Ihrer Gegenwart gleich viel wohler. Wie in so vielen Bereichen des Lebens gilt auch hier: weniger ist meistens mehr.
Das macht es im Übrigen auch leichter, Kritik anzubringen.
Es ist nicht immer alles gut, was die Leute so fabrizieren. Manchmal werden folgenschwere Fehler gemacht, die das Unternehmen viel Geld kosten. Hier muss selbstverständlich auch mal gerüffelt werden, aber wenn Sie die Kritik ruhig und sachlich rüber bringen und das Ganze mit einem Lob einführen, wird Ihr Mitarbeiter gleich viel empfänglicher für Kritik.
Andernfalls verfällt er in einer Art Abwehrmodus und das ganze bringt kaum etwas.
Lob im Alltag
Ich habe nun sehr viel über Lob und Anerkennung im Geschäftsleben gesprochen – im Allgemeinen lässt sich das aber auf jede Art von Beziehung übertragen.
Wenn Sie Ihrem Partner hier und da mal ein echtes Lob aussprechen, ist die Allgemeinstimmung gleich eine andere. Deswegen sind beispielsweise auch kleine Geschenke wie ein Strauß Blumen hier oder ein kleines Merci da ein echter Gamechanger. Es sind die kleinen Gesten, die den Unterschied machen.
Das gleiche gilt für die Kindeserziehung.
Wenn Ihr Kind immer nur hört, was es falsch macht, lernt es irgendwann, dass es offenbar nie genug ist. Dann geht es in erster Linie darum, Ärger zu vermeiden. Das macht unsicher und nimmt den Mut, Fehler zu machen. Es lernt buchstäblich, Angst zu haben. Angst vor dem Scheitern.
Wenn es aber gelobt wird – und sei es nur für die Mühen seiner Fehlschläge – dann wachsen Neugier und Selbstvertrauen von ganz allein.
Warum ist Lob also wichtig?
Weil es dem Menschen zeigt, dass er zählt – und dieses Gefühl verändert Motivation und Leistung. Im Prinzip verändert ein aufrichtiges Lob ganze Beziehungen.
Geld ist eigentlich überhaupt nicht wichtig. Es wird erst wichtig, wenn die Geborgenheit im Zwischenmenschlichen fehlt.
Wenn Sie also in Zukunft ein bisschen Geld sparen wollen, brauchen Sie dafür nur zwei Worte: Gut gemacht.



Gut gemacht 😉
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