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Warum wir Kindern das Denken abgewöhnen, ohne es zu merken

Letzte Woche ging es um Metakognition – heute möchte ich eine Ebene tiefer tauchen und mehr auf das Warum dahinter eingehen.

Warum ist die Banane krum?

Damit du was zu Fragen hast!

Kinder denken ständig. Sie denken laut, sie denken schief und sie denken quer.

Kennen Sie diese „dummen Fragen“, die nur Kinder stellen? Diese Fragen, die Ihnen sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubern, weil gerade ein Kind so eine tolle Frage gestellt hat? Wäre die gleiche Frage jedoch ein von einem Erwachsenen gekommen, würde man ihn sofort mit ungläubigem Blick anschauen, gleichzeitig fragend, ob er noch alle Tassen im Schrank habe.

Kinder legen so eine tolle Naivität an den Tag, die den meisten Erwachsenen leider viel zu oft abhanden gekommen ist. Ich finde es unglaublich wichtig, dass man sich diese kindliche Naivität auch im Erwachsenenalter beibehält, denn eigentlich sind wir doch alle nur kleine Kinder, die geliebt werden wollen – egal ob 4, 44 oder 88!

Es gibt aber auch ein Sprichwort, das besagt: „Es gibt keine dummen Fragen – es gibt nur dumme Antworten.“ Und wir „Erwachsenen“ geben unglaublich gerne dumme Antworten und kommen uns dabei auch noch richtig witzig vor.

Dumme Antworten beenden den Denkprozess, bevor er angefangen hat

Mit so vermeintlich witzigen Antworten erreichen wir jedoch nur eine Sache: Kinder fühlen sich auf den Arm genommen und irgendwann, wenn sie häufiger so intelligente Antworten erhalten, hören sie einfach auf, überhaupt noch Fragen zu stellen. #Rückzug

Für den Erwachsenen ist das natürlich bequem – man muss sich schließlich nicht mit so einem Unsinn auseinander setzen. Lieber wieder auf die Couch – Fußball gucken. #Prost

Das Problem von Kindern, die keine Fragen stellen

Laut Psychologen gelten die ersten 6 Jahre als die prägendsten für unsere Entwicklung. Wenn Menschen also schon als Kinder keine Fragen stellen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie das auch als Erwachsene nicht tun. Unterbewusst haben sie nämlich schon als Kind gelernt, dass Fragen den Leuten unangenehm sind – und sie selbst eventuell durch zu viele Fragen in ein schlechtes Licht gerückt werden. #WarumFragtDerSoViel? #IstDerDumm?

Dadurch verschiebt sich der Fokus weg vom inneren Kompass hin zu äußerer Regulation. Das Ergebnis sind Menschen, die bei Konflikten – innerer oder äußerer Natur – reagieren statt zu reflektieren. #Ablenkung #Machdasweg

Der wahre Grund, warum wir Denkprozesse stoppen

Wer sein Denken nicht reflektiert, gibt es weiter – und so werden unsere Kinder meistens nur zu einer Kopie unserer selbst.

Oft stoppen wir Kinder, weil wir selbst keine Antwort auf ihre Fragen haben. Weil wir es einfach nicht wissen. Weil wir nicht denken wollen. Weil wir als Kinder nie gelernt haben, Fragen zu stellen. Dass wir uns zusammenreißen müssen. Dass wir funktionieren müssen. Dass wir uns mit den vermeintlich wichtigen Dingen beschäftigen müssen – Auto, Haus, Frau und Boot. Als wäre das Leben eine Einkaufsliste.

Reflexion ist unangenehm, denn es zwingt uns dazu, uns selbst Fragen zu stellen. Uns selbst die Antworten zu geben, die wir nicht hören wollen.
Diese Fragen bedeuten: Wir müssen uns mit unserer eigenen Unzulänglichkeit beschäftigen. Wir müssen uns selbst die Sachen sagen, die uns selbst unser ärgster Feind nur mit 5 Promille an den Kopf werfen würde.

Und das ist unangenehm.

Sie formen die innere Stimme Ihres Kindes

Fragen sind ein Zeichen von Neugier – und Kinder sind von Natur aus neugierig. Die Welt ist schließlich groß und es gibt viel zu entdecken. Wenn Sie ihrem Kind seine Fragen beantworten, lernt es. Es lernt buchstäblich zu lernen. Wer lernt, denkt. Und wer denkt, wächst.

Metakognition ist ein Umgangston mit dem eigenen Inneren. Und wer mit sich selbst umzugehen weiß, kommt im Leben gut zurecht. Selbsterkenntnis und Selbstführung beginnt im eigenen Denken. Und Denken entsteht durch die richtigen Fragen.

Wenn Ihr Kind also das nächste Mal zu viele Fragen stellt, nehmen Sie es an die Hand und sagen:
„Komm, das schauen wir uns mal gemeinsam an.“

Achtung: Vielleicht lernt nicht nur Ihr Kind dabei etwas Neues, sondern Sie auch. 😉

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