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Konventionen brechen ist nichts schlechtes

Wenn Menschen aus der Reihe tanzen, sieht das keiner gerne, und Erwachsene tun das nicht einfach so aus der Laune heraus, sondern meistens haben sie das schon im Kindergartenalter gemacht. Damals hieß aber dann ganz schnell: Prometheus! Jetzt reiß dich endlich zusammen! Wenn sich hier jeder so benehmen würde, säßen wir bald im Zoo!

Wahrscheinlich wird Prometheus auch deshalb als Gott des Feuers bezeichnet. Sorry … nicht der richtige Zeitpunkt, sich mit griechischer Mythologie zu beschäftigen. Das machen wir ein andermal. #HaltStop!

Aus der Reihe tanzen beginnt früh

Menschen, die später als anders gelten, werden das selten erst mit 30. Die Anzeichen dafür zeigen sich viel früher: Fragen stellen, wo andere nicken – Regeln prüfen, statt sie blind zu befolgen, und eigene Lösungen suchen, obwohl die Vorgabe doch eigentlich ganz klar war. #IstDerDumm? #VerstehtDerDasNicht? #DerBrauchtImmerEineExtrawurst

In der klassischen Kinderentwicklung wird so einem Verhalten wenig Raum gegeben. Das System liebt Gleichschritt. Gleiche Aufgaben, gleiche Geschwindigkeit, gleiche Ergebnisse. Und wer davon abweicht, fällt auf – und auffallen ist selten beliebt.

Dabei ist genau dieses Verhalten oft ein Hinweis auf Kreativität, Eigenständigkeit, und ja, auch auf eine überdurchschnittliche Intelligenz.

Warum Freigeister anecken

Freigeister sind anstrengend. Nicht, weil sie nerven wollen, sondern weil sie Dinge hinterfragen. Sie akzeptieren Regeln nicht einfach, sondern erst nach innerer Zustimmung. Das ist natürlich unbequem für den Anweisenden. Man muss sich erklären. Diese Menschen tun Dinge nicht einfach nur, weil man es Ihnen sagt – sie müssen den Sinn dahinter verstehen. Sinnlose Aufgaben mögen sie überhaupt nicht.

Viele Unternehmer ticken genau so. Nicht, weil sie rebellisch sein wollen, sondern weil sie einfach nicht anders können. Unternehmer-Mindset bedeutet nicht automatisch Lautsein oder Dominanz an den Tag legen, sondern viel mehr das Richtige zu tun. Wenn sie aber immer nur befolgen würden, würden sie 80 Prozent ihres Tages mit Schwachsinn verbringen – genau deshalb werden sie rebellisch. Weil sie ihre Zeit einfach nicht vergeuden wollen.

Als Kinder gelten solche Menschen oft als schwierig. #Problemkind
Als Erwachsene plötzlich als verrückt, mutig, innovativ oder visionär. Lustig, wie sich Etiketten ändern, oder? #Träumer

Kleider machen Leute

Ein weiteres tolles Beispiel für Etiketten ist die eigene Kleidung. Ein Mensch im Anzug wirkt kompetent. Seriös. Vertrauenswürdig. #Bänker
Und ein Mensch in Shorts mit Handtattoo? Skeptischer Blick. Stirnrunzeln. #WasIstDasDennFürEinAsi?

Hier spielt das sogenannte Schubladen-Denken eine große Rolle. Wir stecken einen Menschen automatisch in eine Schublade, sobald wir ihn das erste Mal sehen – ob wir wollen oder nicht. Und für diesen Menschen ist es dann ganz schwer, da wieder herauszukommen. Deswegen ist auch der erste Eindruck so wichtig. Wir bewerten in Sekunden Kleidung, Auftreten und Körpersprache des Gegenüber. #Oberflächlichkeit

Freigeister allerdings, passen selten ins Erwartungsbild. Sie sehen nicht immer so aus, wie wir Erfolg abgespeichert haben. Und als Kinder benehmen sie sich nicht so, wie wir brav definiert haben.

Die Guten sind halt meist ein bisschen anders. Aber wenn sie nicht anders wären, wären sie auch nicht so gut.

Unternehmer denken anders

Ich will an dieser Stelle gar nicht behaupten, dass jedes unangepasste Kind mal Unternehmer wird – dazu gehört um einiges mehr, als nur rebellisch zu sein – aber fast jeder Unternehmer war einmal ein Kind, das die Regeln geprüft hat, statt sie einfach zu akzeptieren. Das äußert sich nach Außen oft in Widerstand in Form von Streiken, Schreien oder Weglaufen.

Wenn Ihr Kind also das nächste mal rebelliert, prüfen Sie, ob vielleicht mehr dahinter stecken könnte.

Intelligente Kinder brauchen Räume

Und so eine Kindesentwicklung braucht Freiraum und die richtige Förderung. Nicht ständiges Korrigieren, nicht permanentes Bewerten, sondern sichere Räume, in denen ausprobiert werden darf und Fehler nicht verteufelt werden. Und manchmal muss man auch Umwege gehen im Leben.

Diese Umwege können verschiedener Natur sein – meistens ist eine kreative Beschäftigungstherapie eine sehr gute Sache. Nicht als Erziehungsersatz und auch nicht als Leistungsprogramm, sondern als Einladung dem Geist freien Lauf zu lassen. Mandala-Malbücher für Erwachsene zum Beispiel sind ein beliebtes Werkzeug und werden häufig als Kopf-aus-Welt-an-Schalter genutzt. Warum also sollten nicht auch Kinder dieses Werkzeug nutzen?

Beim Ausmalen dürfen Kinder ihre eigenen Wege gehen. Über den Rand malen. Farben neu kombinieren. Gedanken schweifen lassen. Und wenn sie dabei noch spielerisch Wissen aufsaugen, ohne es zu merken, dann ist das genau die Art von Lernen, die hängen bleibt.

Es ist nie zu spät, um sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen – und genau deshalb ist es auch nie zu früh dafür.

Aus der Reihe tanzen ist nichts Schlechtes. Oft ist es der Anfang von etwas Gutem, etwas Eigenem.
Die eigentliche Gefahr liegt nicht im Anderssein, sondern darin, es falsch zu beurteilen.

Und genau das sollten wir verdammt nochmal beherzigen.

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