„Boah, du bist wie dein Vater!“ – Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor?
Ist er Ihnen vielleicht sogar schon einmal in einem Moment der Frustration herausgerutscht?
Oder hatten Sie diesen Gedanken zumindest mal im Kopf, wenn Ihnen eine besondere Verhaltensweise bei Ihrem Kind aufgefallen ist?
Willkommen im Leben. Heute möchte ich über eine erstaunliche Lerngewohnheit von Kindern sprechen – und wie Sie das bewusst positiv nutzen können.
Kinder lernen nicht durch Erklärungen
Kinder machen nicht das, was man Ihnen sagt – sie machen das, was sie sehen. Das ist auch der Grund, warum rauchende Eltern häufig rauchende Kinder erziehen, und das, obwohl sie schon hunderte Male gehört haben, wie schädlich Rauchen ist. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang vom Modelllernen.
Kinder machen, was wir vorleben
Der Psychologe Albert Bandura beschrieb dieses Phänomen bereits vor Jahrzehnten: Menschen – und insbesondere Kinder – übernehmen Verhaltensweisen, indem sie andere beobachten. Dieses Lernen geschieht meist unterbewusst. Wenn also die Eltern rauchen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch das Kind früher oder später zur Zigarette greifen wird.
Das bedeutet: Nicht Erklärungen prägen Kinder, sondern Beispiele.
Was das für Ihren Alltag bedeutet
Diese Erkenntnis kann unbequem sein, aber wenn das einmal klar, ist es auch eine große Chance, denn genauso wie Kinder ungünstige Verhaltensweisen übernehmen, übernehmen sie auch die guten. Gelassenheit. Mut. Verantwortungsbewusstsein. Umgang mit Rückschlägen.
Wenn ein Kind beispielsweise erlebt, dass Erwachsene in schwierigen Situationen ruhig bleiben, lernt es, dass Stärke in der Ruhe liegt, und nicht in der Lautstärke. Schreiende Eltern erziehen schreiende Kinder.
Warum Vorbilder für Kinder so wichtig sind
Und an diesem Punkt kommen Helden ins Spiel, aber nicht als überhöhte Fantasiefiguren, sondern als verständliche Übersetzer von Werten. Diese Helden können und sollen am Anfang die Eltern sein.
Gleichzeitig ist klar: Eltern können nicht immer präsent sein. Kinder bewegen sich in einer Welt voller neuer Eindrücke. Fast alles, was sie erleben, ist neu und aufregend, daher ist es genau hier entscheidend, welche Vorbilder sie dabei begleiten.
Helden spielen dabei eine besondere Rolle. Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie für Werte stehen. Mut. Verantwortung. Willenskraft. Charakterstärke – Eigenschaften, die man einem Kind kaum erklären kann, die aber sofort verständlich werden, wenn man sie erlebt.
Wenn Kinder sich mit Vorbildern beschäftigen
Besonders wirksam werden solche Vorbilder dann, wenn Kinder sich aktiv mit ihnen beschäftigen. Nicht nur zuhören oder zuschauen, sondern selbst gestalten.
Beim Ausmalen entsteht etwas Entscheidendes: Das Kind verbringt Zeit mit einer Figur, kann darüber nachdenken und spinnt die Story weiter. Es beobachtet, ordnet zu und gibt durch Farben Bedeutung. Dabei entsteht Beziehung. Und Beziehung ist der Punkt, an dem Werte nicht nur gesehen, sondern verinnerlicht werden.
Bewusste Bilder statt Zufall
Kinder werden sich immer irgendwo orientieren, und wenn man als Elternteil dieses Boot nicht in die richtige Richtung schubst, suchen sich Kinder ihre Vorbilder selbst. Das kann aber schnell in die falsche Richtung gehen. Nicht, weil Kinder dumm sind, sondern weil die Verlockungen groß sind.
Jede Geschichte, jedes Buch und jede Figur im Leben hinterlässt Spuren. Manche verflüchtigen sich schnell, andere bleiben für immer. Und manchmal reicht ein ruhiger Moment am Wohnzimmertisch – oder in der eigenen Kreativecke. Mit ein paar Stiften. Und mit Figuren, die zeigen, dass Stärke viele Formen haben kann.


